10. April 2014

Hotel Gams in Bezau

  • Hotel Gams nach der Renovierung
    Hotel Gams nach der Renovierung
  • Kuschelzimmer als Unterscheidungsmerkmal.
    Kuschelzimmer als Unterscheidungsmerkmal.

Wenigen Hotels ist es so wie dem Hotel Gams im Bregenzerwald gelungen, zum Synonym für eine ganze Urlaubsform zu werden. Wenn das Stichwort Kuscheln fällt, dann wird damit sofort das aus dem Jahr 1648 stammende Haus assoziiert, das durch den Weitblick und die Innovationsfreude der jungen Besitzer innerhalb weniger Jahre zu einem der fortschrittlichsten Urlaubskonzepte der Tourismusbranche wurde. Eine klare Positionierung nennt man das im Marketing-Deutsch - für Ellen Nenning, eine der Ideengeberinnen der Gams, ist es das „Einfühlen in die besondere Befindlichkeit von Paaren." Das Blütenschloss war schon bisher wegen seiner modernen Rundarchitektur ein architektonisches Markenzeichen des Hauses. Die Um- und Neubauten, die jüngst abgeschlossen wurden, heben das „Urkaubskuscheln" nicht nur auf höchstes Niveau, das Hotel haben Eingang in die Architekturmagazine gefunden.

Top of mit Gefühl

Ohne die harmonische Gesamtwirkung des Blütenschlosses zu beeinträchtigen, wuchs der mit Holzelementen verkleidete Rundturm um eine Etage. Auf dieser sind nun die insgesamt vier „Top-of-Suiten" untergebracht. Wie schon die tiefer gelegenen Vorgängerinnen, ist jede der Suiten komplett rund gestaltet, allerdings mit 65 m2 deutlich größer. Der Eindruck ist ebenso frappierend, wie variabel. Die um das breite Himmelbett gespannten Vorhänge lassen sich vielfältig verschieben, sodass jeder Gast seine ganz persönliche Kuschelecke gestalten kann. Die rückseitige Bespannung der Betten ist aus handgewebter, golddurchwirkter indischer Seide. Durch die bis zum Boden reichende Verglasung blickt man auf den umlaufenden Balkon und hinaus in die sanfte Natur des Bregenzerwaldes. Den offenen Kamin hat man sowohl im Kuschelbett liegend als auch auf dem Balkon sitzend immer im Blick. 

Kuschelig kubisch

Der Gegenentwurf zum Rundturm des Blütenschlosses ist der neben dem historischen Haus entstandene kubische „Blütenkokon". Die 30 Kuschelsuiten sprechen architektonisch eine andere Sprache. Während im Blütenschloss die Räume durch Balkone in den Außenbereich verlängern wurden, werden in den Kokons die Balkone in den Raum hinein gezogen. So entstand eine ganz eigene Interaktion zwischen Raum und Landschaft. Die „Rundungen", welche die Suiten im Blütenschloss so unverwechselbar prägen, werden in den Blütenkokons durch eine klare, dennoch nicht minder reizvolle Aufteilung der Räumlichkeiten abgelöst. Der Wechsel von durchsichtigen und satinierten Glaselementen schafft Offenheit und Intimität, die Vorhänge und Bespannungen, ähnlich denen im Blütenschloss, machen aus dem klaren Design ein sehr kuscheliges Reich. Vom offenen Kamin bis zu den doppelten Duschen bieten die Kokon-Suiten denselben Standard wie die neuen Top-of-Suiten im Blütenschloss. Vom Spa zur Sinnlichkeit War das „Da Vinci Spa" mit seinen venezianischen Anklängen bisher die Übersetzung der Kuschel-Philosophie in Wasser, Wärme und Düfte, so zitiert der auf 2.000 m2 erweiterte Spa-Bereich gleichsam Himmel und Hölle, zumindest was die Kombination der Elemente betrifft. Hot-Spot-Pool, Cool-Pool, Erdsauna, Dampfbad und viele weitere Elemente sind durch eine kaum zu überbietende architektonische Raffinesse, teils unterirdisch, teils überirdisch miteinander verwoben. Sinn und Sinnlichkeit werden zur Einheit, ohne den Zweck eines Spa aus dem Auge zu verlieren. So wird der Ruhe durch einen neuen, großen Liegeraum mit freiem Blick ins Grün ebenso Rechnung getragen wie der Schönheit, der zwölf neue Treatment-Räume gewidmet sind. Spektakulär ist auch die Spa-Lobby, die mit einer großen Wasserfläche und begehbaren Holzstegen die Schnittstelle zwischen dem neu gestalteten Eingangsbereich im historischen Stammhaus und dem Kokon-Anbau markiert. Der Eingangsbereich wurde überdies zu einem Teil der Gesamtinszenierung des Kuschelhotels. Nach außen hin verglast, schirmt ein Vorhang die Einblicke ab. Man muss also eintreten, um die wahren Geheimnisse des Hauses zu ergründen.

Das Kuschelhotel Gams liegt mitten im Dörfchen Bezau und begreift sich auch als Teil des öffentlichen Raums. Deshalb wurde der historische Bauteil durch eine große Glasfront zum Kirchplatz und zu der dort befindlichen Terrasse hin geöffnet. Im Innenbereich entstand ein zwei Stockwerke hoher „Feuerraum". In seiner Mitte steht eine große Feuerschale, um die sich Sitzkissen gruppieren. Die purpurgoldene Wandbespannung und viele weitere Elemente sorgen für ein orientalisch-marokkanisches Ambiente inmitten des alemannisch geprägten Bregenzerwaldes. Eine runde Bar, mit Vorhängen drapiert, komplettiert diese überraschende Inszenierung, von der aus man in die noch erhaltenen historischen Stuben des ehemaligen Gasthofes „Gams" gelangt. Diese wurden im Zuge der Umbauarbeiten behutsam renoviert und sind jetzt dem „private dining" vorbehalten.

  

Bauherr:

Gams Genießer- und Kuschelhotel, Beraum www.hotel-gams.at